Ein Ausschnitt des Berichts in "Blasmusik - Juli/August 2020" von Redakteurin Martina Faller

Kultur geht auch trotz Corona!

Abstand, Desinfektionsmittel und Masken gehören neuerdings zum Vereinsleben von Blasorchestern dazu. Damit sie proben können, sind viele Musikvereine aus dem Probenlokal in große Mehrzweckhallen oder ins Freie umgezogen. Kreativität beweisen Musikvereine auch, wenn es darum geht, trotz Corona-Beschränkungen Konzerte zu veranstalten. Mit interessanten Konzertideen versuchen sie, Ausfälle zu kompensieren und ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Ein Beispiel davon zeigt, dass die Zuhörer Live-Musik und Konzertatmosphäre genauso vermisst haben wie die Musiker.

Musikalischer Marathon mit Ensembles der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck

bdbv bericht 0920 1220 Mitwirkende in 20 Ensembles gestalteten den musikalischen Marathon der Stadtkapelle Kirchheim mit, darunter auch dieses Saxophon-Quartett.

Wie präsentiert man sich als Blasorchester nach langer Zwangspause und unter Berücksichtigung der notwendigen, aber einschneidenden Corona-Sicherheitsvorkehrungen? Und wie kann man den Kindern und Jugendlichen aus der vereinseigenen Bläserschule und den Bläserklassen des Vereins eine Auftrittsplattform bieten, um das Hobby „Musik“ und den damit verbundenen Spaß vor Publikum neu oder wieder zu entdecken? Diesen Fragen hat sich die Vereinsführung der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck gestellt. Als sich nach Pfingsten herauskristallisierte, dass ein öffentliches Konzert in Baden-Württemberg unter strengen Aufagen machbar ist, begann umgehend die konkrete Planung.

Unter dem Motto „Summer Winds“ wollte die Stadtkapelle Kirchheim unter Teck – nicht nur online, wie bislang mit den „Zu-Haus-Konzerten“ – sondern live und echt vor und für Publikum ein musikalisches Lebens- und Ausrufezeichen setzen. Da das ganze Orchester aufgrund der Abstandsregeln weder gemeinsam proben noch konzertieren kann, verlegten sich die Musiker der Stadtkapelle, der Jugendkapelle und der Bläserschule aufs Ensemblemusizieren, gründeten verschiedene Formationen und begannen mit den Proben. Schnell wurde klar, dass ein regelrechter Ensemblemarathon notwendig wird, um allen top motivierten Ensembles und Gruppierungen einen Auftritt auf der eigens bestellten Konzertbühne zu ermöglichen.

bdbv bericht 0920 2Beim Marathon-Konzert der Stadtkapelle Kirchheim war selbstverständlich auch der musikalische Nachwuchs mit am Start.

Und auch für das Publikum mussten die nötigen Vorkehrungen getroffen, Onlineanmeldungen ermöglicht, ein ausgefeiltes Hygienekonzept mit entsprechenden Abständen, zugewiesene Sitzplatzkarten und separate Aus- und Eingänge erstellt und vieles mehr bei der Planung berücksichtigt werden. Eine große Hilfe ergab sich im Laufe der Organisation dadurch, dass sich die Stadtkapelle dem Kirchheimer Kultursommer anschließen und die Unterstützung durch ein logistisch und marketingtechnisch großartiges Netzwerk in Anspruch nehmen konnte.
Ende Juli war es dann soweit. In sechs Konzertblöcken präsentierten sage und schreibe 220 Mitwirkende in 20 Ensembles unterschiedlichster Couleur einen regelrech- ten Konzertmarathon. Darunter waren die Bläserklassen der 3. und 4. Klasse der Freihof- & Teck-Grundschule, das Anfänger- und die beiden Vorstufenorchester, 

gemischte Jugendensembles, Saxophon- und Klarinettenensembles, Flötengruppierungen, ein Posaunenquartett, Blechbläserformationen vom Trio bis zum Dezett. Den zahlreichen Zuhörern der sechs Konzerte war anzumerken, wie ausge- hungert sie nach Musik und Kultur waren. Das hochwertige musikalische Programm der Ensembles war dafür die beste Nahrung. Aus allen Genres wurden Werke präsentiert. So kamen klassische Werke von Mozart über Verdi genauso zur Auführung wie Beatles-Klassiker oder die südamerikanischen Klänge Astor Piazollas. Mit viel Aufwand, vielen kreativen Anstrengungen und mit fantastischer Unterstützung einer treuen Fangemeinde, musikbegeisterter Bürger, diversen Sponsoren und einer Stadtverwaltung, der ein musikalisches Aushängeschild am Herzen liegt, hat die Stadtkapelle Kirchheim unter Teck eindrücklich bewiesen: Kultur geht auch trotz Corona!

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